Das David Orlowsky Trio hat eine eigene Musiksprache, eine unverwechselbare Klangwelt und einen sehr persönlichen Stil geprägt: „Chamber-World-Music – Kammerweltmusik“ nennen die drei Musiker ihre selbst entwickelte Musikrichtung, die die Genregrenzen der Klassik, des Klezmer, des Pop, der Musik des Vorderen Orients und des Jazz auslotet. Nach 20 gemeinsamen Jahren werden die Musiker bald getrennte Wege gehen. Vorher kommen sie noch zum Schleswig-Holstein Musik Festival.

Das David Orlowsky Trio auf Abschiedstour. Foto Christian Debus

Sie haben das Trio mit 16 Jahren gegründet. In diesem Jahr soll nun Schluss sein und Sie geben unter dem Motto „Milestones“ Ihre Abschiedstour. Warum?

Wir haben doch einige Zeit miteinander verbracht und es fühlt sich einfach jetzt so an als ob die Zeit reif für etwas Neues ist. Wie Sie schon sagten, war ich 16 Jahre, als wir angefangen haben, und jetzt habe ich mehr als die Hälfte meines Lebens mit dem Trio gespielt. Nun ist es mal an der Zeit „auszuziehen“ – so wie man nach dem Abitur von zuhause auszieht.

Werden Sie die Klarinette an den Nagel hängen?

Nein, die Musik geht bei allen dreien von uns weiter. Bei mir liegt der Fokus auf der Klassik, was ich bisher eher nebenbei gemacht habe. Dafür wird jetzt mehr Zeit sein. Außerdem schreibe ich gerade an einem Klarinettenkonzert und habe zahlreiche andere Projekte.

Worauf darf das Publikum sich bei Ihrem Abschiedskonzert freuen?

Wir machen einen musikalischen Rückblick auf die letzten 20 Jahre. Der größte Teil besteht aus aktuellen Stücken, aber wir haben auch bewußt ein paar für uns wichtige frühere Titel ausgesucht, die für uns Meilensteine war. Damit haben wir immer etwas Besonderes erreicht, nachdem wir lange daran gearbeitet haben. Bestimmte Stilmittel, an denen wir länger gefeilt haben und das Gefühl hatten, es klingt jetzt so wie wir es uns vorgestellt hatten.

Sie sind in der Klassik genauso zu Hause wie in der Klezmer-Musik. Wie sind Sie zur Musik gekommen?

Das hat sich ziemlich organisch so ergeben. In meinem Elternhaus wurde viel klassische Musik gemacht, meine Mutter ist Geigenlehrerin und die anderen alle Hobbymusiker. Mich hat das aber zu Beginn überhaupt nicht interessiert und ich wollte eigentlich Schlagzeug spielen. Zur Klezmer-Musik kam ich durch ein Konzerterlebnis mit Giora Feidmann; ich wußte damals überhaupt nicht, was das für eine Musik ist und wo sie herkommt. Es war eine ganz intuitive Begeisterung und Faszination. Ich habe mich da sofort zuhause gefühlt, als wäre es meine Sprache. Das hat mich seitdem nicht losgelassen. Die Klassik kam dann einige Jahre später dazu.

Die Klarinette ist ein Instrument, das wie kein anderes der menschlichen Stimme ähnlich ist. Wird das in der Klezmer-Musik besonders deutlich?

Klezmer-Musik orientiert sich sehr am Gesang und an der jiddischen Art zu sprechen. Die Klarinette ahmt die üblichen Verzierungen nach. Das sind zum Teil sehr lautmalerische, „sprechende“ Effekte, die den Eindruck erwecken, dass man eine menschliche Stimme hört.

Sie nennen Ihre Musik Kammerweltmusik. Was muss man sich darunter vorstellen?

Die Besetzung des Trios ist schon sehr kammermusikalisch geprägt. Der Weltmusik-Anteil ist das Material, das uns inspiriert hat, sowie die rhythmischen Elemente, die Harmonik und auch Melodik. Zum großen Teil ist es jüdische Folklore, aber es gibt auch viele arabische Anklänge oder französische Chansons. Aber wie wir dann die Musik zusammen auf die Bühne bringen, das ist kammermusikalisch gedacht, sehr gleichberechtigt und komplex arrangiert.

Klezmer-Musik hat sich ursprünglich aus einer religiösen Traditionen entwickelt und ist später eine jüdischen Festmusik geworden. Ist für den Geist dieser Musik eine Affinität zum Judentum Voraussetzung?

Ich finde, man kann die Musik völlig losgelöst davon als Inspirationsquelle betrachten. Es gibt ja auch eine Vielzahl hervorragender Jazzmusiker, die aus allen möglichen Hintergründen kommen. Wenn die Musik einem etwas sagt und wenn man etwas Eigenes zu sagen hat, dann spielt das für mich keine Rolle.