Erstmals rückt das Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) die Violine ins Zentrum und mit ihr die niederländische Virtuosin Janine Jansen. Als Porträtkünstlerin spielt sie fünf selbstkonzipierte Programme in zehn Konzerten.

Die holländische Vilolinistin Janine Jansen ist SHMF Porträtkünstlerin 2019. Foto Guballa

Wie ist es, Porträtkünstlerin des SHMF zu sein?

Ich bin sehr froh, die Porträtkünstlerin 2019 sein zu dürfen, und empfinde es als Ehre, dass das Festival mir vertraut, fünf Programme meiner Wahl zum Festival zu bringen. Ich hatte wirklich den Luxus einer Carte Blanche – sicherlich ein Risiko für die Veranstalter (lacht). Die Konzerte werden nicht nur in den großen Hallen stattfinden, sondern auch in einer Reithalle, einem Kuhstall und in Kirchen. Ich liebe den intimen Charakter solcher Räume und den Kontakt zum Publikum. Vor allem freue ich mich aber, zusammen mit Freunden und Familienmitgliedern spielen zu können. Zum Beispiel das Konzert mit meinem Mann Daniel Blendulf und meinem Vater Jan Jansen in Wesselburen.

Genießen Sie die Zeit in Schleswig-Holstein?

Es ist der perfekte Sommer für mich! Zwischen den zehn Konzerten habe ich genug Zeit, mich zu erholen und die Region kennenzulernen. Ich freue mich darauf, all die schönen Orte zu sehen, an denen wir spielen. Wenn ich nicht selbst auf der Bühne stehe, besuche ich auch selber viele Konzerte. Ich bin eigentlich eher ein Landmensch als ein Stadtmensch, daher ist Schleswig-Holstein die perfekte Umgebung. Ich genieße es sehr, diese schöne und intime Atmosphäre des Festivals zu erleben.

Wie sind Sie zur Musik und zur Violine gekommen?

Ich bin in einer sehr musikalischen Familie aufgewachsen. Mein Bruder Maarten ist Cellist und mein Bruder David spielt Cembalo. Zuhause wurde daher viel Musik gemacht. Samstags mittags und sonntags morgens gingen wir Kinder wie selbstverständlich in den Utrechter Dom, wo Papa Jan Organist und Großvater Maarten Kooy Kantor war und meine Mutter im Chor gesungen hat.
Eigentlich wollte ich anfangs auch unbedingt Cello spielen lernen wie mein Bruder. Aber meine Eltern haben dann ein anderes Instrument vorgeschlagen und so habe ich mich für die Geige begeistert.

Mit welchem Instrument kommen Sie nach Schleswig-Holstein?

Ich spiele seit drei Jahren eine Stradivari, eine „Rivaz – Baron Gutmann“. Sie ist die Leihgabe einer norwegischen Stiftung und ich bin total verliebt in sie. Sie ist ganz besonders, fast wie eine menschliche Stimme mit vielen ausdrucksstarken Klangfarben.

Welche Beziehung haben Sie zur Musik von Johann Sebastian Bach?

Bach hat mich in meiner Kindheit ständig umgeben. Mein Vater hat als Organist im Dom und zuhause ständig Bach gespielt. Gefühlt nonstop (lacht). Ich empfinde seine Musik als extrem aufrichtig in ihrer Emotion, mehr introvertiert. Deshalb ist Bach auch so schwer zu spielen, weil stets die Gefahr besteht, dass man emotional diese sehr feine Linie überschreitet und es dann diese Aufrichtigkeit verliert.

Im dritten Konzertprojekt treten Sie mit Ihrem Vater auf. Wie ist es, mit ihm zusammen zu musizieren?

Mit meinem Vater habe ich meine ersten Bühnenerfahrungen gesammelt. Wir haben schon Konzerte zusammen gespielt, als ich noch klein war. Während er Organist in der Kirche war, habe ich dort meine ersten kleinen Konzerte gegeben. Und später hat er meine ersten Konzerte dirigiert. Ich habe also schon oft mit ihm auf der Bühne gestanden und es fühlt sich ganz natürlich und schön an. Beim Üben wechseln wir nicht viele Worte, wir sind uns sehr nah, musizieren intuitiv, artikulieren und phrasieren sehr ähnlich. In Wesselburen werden wir Bach-Sonaten spielen, ich auf der Stradivari, er an der Orgel oder am Cembalo.

Im Rahmen der Reihe „Meisterschüler – Meister“ werden Sie mit fünf hochbegabten Jungstudenten spielen. Was werden Sie dem Nachwuchs beibringen?

Ich liebe diese Projekte mit jungen Musikern und habe so etwas schon oft auf Festivals gemacht. Aber ich bin nicht als Lehrerin dort, sondern ich kommuniziere mit ihnen durch die Musik. Ich vermittle ihnen Ideen durch das Spielen und hören mir ihre Ideen an. Wir inspirieren uns einfach gegenseitig. Daraus nehme ich auch viel für mich mit. Das aufeinander Eingehen und der Austausch ist es, worum es beim Musik machen geht.

Was sind Ihre nächsten Pläne?

Freundschaften und Familie sind für mich immer wichtiger. Daher habe ich die Zahl meiner Auftritte auf etwa achtzig Konzerte im Jahr reduziert. Am liebsten würde ich nur noch Konzerte mit Leuten machen, die ich von ganzem Herzen mag und mit denen ich musikalisch harmoniere. Wie jetzt beim Schleswig-Holstein Musik Festival.