In der ZDF-Kultserie Diese Drombuschs gelang Schauspielerin Sabine Kaack (60) als rebellische Tochter Marion in den 1980er-Jahren der Durchbruch zum Fernsehstar. Es folgten unzählige Haupt- und Nebenrollen wie in Die Camper, Neues vom Süderhof und Da kommt Kalle. Im Fernsehen ist Sabine Kaack inzwischen seltener zu sehen. Aktuell tourt sie mit dem Ohnsorg-Theaterstück Kalenner Deerns durch Norddeutschland und wird als für den guten Zweck blankziehende Landfrau Tine gefeiert. Andreas Guballa hat mit Sabine Kaack gesprochen.

Sabine Kaack ist eines der Kalenner Deerns. Foto Thomas Leidig

Sie sind zur Zeit als Tine in Kalenner Deerns zu sehen und lassen keck die Hüllen fallen. Hat es Sie Überwindung gekostet, eine solche Rolle zu spielen oder macht es eher Spaß?

Während der Proben vor den Kolleginnen war das nicht so einfach. Das erfordert schon Mut, weil man über die Jahre seine kleinen Unebenheiten kennt. Aber da das den anderen ja genauso geht und der Rolle und dem Stück dient, hat man das relativ schnell vergessen. Wir sind zu einem tollen Team und wunderbaren Ensemble zusammengewachsen, lassen alle Hüllen fallen und haben einen Riesenspaß dabei.

Wie ist es zu Ihrer ersten großen Rolle im Ohnsorg-Theater gekommen?

Ich bin ja als gebürtige Schleswig-Holsteinerin eine ‚echte Plattdüütsche‘. Nach vielen Jahren in Berlin bin ich vor fünf Jahren zurück in den Norden gezogen, habe hier zu meinen Wurzeln in der plattdeutschen Sprache zurückgefunden und mit dem Buch Över’t Land in Schleswig-Holstein eine Anthologie mit niederdeutschen Erzählungen und Gedichten herausgegeben. Seitdem bin ich unermüdlich auf Lesereise, damit die Sprache lebendig bleibt. Zudem bin ich offizielle Botschafterin des niederdeutschen Theaters als nationales immaterielles Kulturerbe der UNESCO und habe vor kurzem zusammen mit Werner Momsen eine plattdeutsche Gala in Kiel initiiert und moderiert. So bin ich auch in Kontakt mit dem Intendanten des Ohnsorg-Theaters Michael Lang gekommen, der jemanden für die Rolle der Tine in Kalenner Deerns suchte, die nicht aus dem Ensemble heraus besetzt werden konnte. Da habe ich sofort zugesagt, weil ich das Ohnsorg Theater natürlich aus vielen Besuchen kenne, aber dort auch schon in jungen Jahren als Tochter von Onkel Bräsig neben Hilde Sicks und Fritz Hollenbeck auf der Bühne stand.

Was mögen Sie an der plattdeutschen Sprache?

Das Plattdeutsche ist meine Muttersprache. Es ist direkt und kommt von Herzen. Selbst wenn man sich aufregt oder ärgert, hat es bezaubernde Vokabeln, die nie beleidigen. Und es ist immer eine Spur Humor dabei. Das ist etwas, was diese Sprache so besonders macht.

Durch die Rolle der Marion Drombusch in der Fernsehserie Diese Drombuschs wurden Sie in der gesamten Nation bekannt. Nervt es Sie, damit immer noch in Verbindung gebracht zu werden?

Nein, es macht mich eher ein wenig stolz, mit diesem damaligen Straßenfeger Fernsehgeschichte geschrieben zu haben und auch ein starkes Vorbild für Frauen mehrerer Generationen gewesen zu sein. Der Charakter der selbstbewusste Marion war sehr genau von den Drehbuchautoren beschrieben worden und war für die damalige Zeit außergewöhnlich. Viele Frauen konnten sich mit dieser Rolle identifizieren und haben mit Konventionen gebrochen. Daher bin ich sehr dankbar, diese Figur verkörpert zu haben.

Wenn Sie nicht vor der Kamera oder auf der Bühne stehen, spielen Sie leidenschaftlich Musik und arbeiten mit Ihrer Stimme als Sprecherin und Sprachcoach. Warum ist Ihnen diese Vielfalt so wichtig?

Das Spannende an unserem Beruf ist ja sein Facettenreichtum. Natürlich könnte ich mich auf eine Sache konzentrieren, aber ich wollte ausprobieren, welche Abenteuer dieser Beruf noch bietet. So kam die Arbeit mit meiner Sprechstimme dazu und ich mache momentan viel Funk, Werbung und Hörspiele. Das ist alles sehr abwechslungsreich und erfüllend. Dafür bin ich sehr dankbar.

Und nebenbei arbeiten Sie an Ihrem neuen Buch Dor bün ick tohuus.

Wie schon in Över’t Land grabe ich weitere kleine Perlen und Kristalle aus, die in einen lyrisch-poetischen Kronleuchter passen. Von bisher kaum beachteten Autoren über bekannte Texte, alte und neue Werke möchte ich zeigen, dass Niederdeutsch eine große Bandbreite besitzt und auch für die sogenannte Hochliteratur taugt.
Das Erscheinungsdatum ist für den nächsten März geplant und auch mit diesen Texten werde ich wieder auf Lesereise gehen – musikalisch unterstützt vom Mundharmonika-Spieler Ben Heuer und Jan Graf an der Gitarre und am Akkordeon.

Im Februar sind Sie 60 Jahre jung geworden. Ist das Älterwerden ein Thema für Sie?

Je älter man wird, desto mehr hat man zu geben. Egal, ob im Leben oder auf der Bühne. Frauen in meinem Alter sind eine Bereicherung auf allen Gebieten und wir dürfen uns nicht aufs Abstellgleis schieben lassen, auch wenn das Leben nicht immer ein Zuckerschlecken ist. Je älter man wird, desto mutiger sollte man an das Leben herantreten. Wichtig ist auch, sich nicht demotivieren zu lassen. Man braucht viel positive Energie und Kraft fürs Älterwerden. So wie die Freundinnen in Kalenner Deerns, in dem auf witzige und berührende Weise mit den Themen Jugendwahn, Freundschaft und Frauensolidarität gespielt wird.

Kalenner Deerns – nach dem Film Calendar Girls von Tim Firth
Plattdeutsch von Markus Weise

Das Ensemble der Produktion Kalenner-Deerns.