Das Hamburger Trio Adorno begeistert mit jugendlicher Frische und großer Spielfreude.

„Diese jungen Musiker sind in jeder Hinsicht hervorragend!“ Dieses Lob erhielt das Trio Adorno von niemand Geringerem als dem Gründer des Alban Berg Quartetts Günter Pichler. Dass das Kompliment zu 100 Prozent gerechtfertigt ist, beweist das Hamburger Klaviertrio, das sich nach dem Musikphilosophen Theodor Adorno benannt hat, auf den großen und kleinen Kammermusik-Bühnen der Republik und nutzt dabei auch Schulkonzerte als Plattform, sich einem jungen Publikum zu präsentieren.

Entstanden ist die Zusammenarbeit von Lion Hinnrichs (Klavier), Christoph Callies (Violine) und Samuel Selle (Violoncello) 2003 für „Jugend musiziert“. Seitdem treten sie erfolgreich bei internationalen Wettbewerben und Konzerten auf und heimsen immer wieder Preise ein. Andreas Guballa hat mit dem jungen Pianisten Lion Hinrichs gesprochen.

Mit Ihrem Trio-Namen beziehen Sie sich auf den deutschen Musikphilosophen Theodor W. Adorno und seine Affinität zu moderner Musik. Was verbindet Sie mit Adorno?

Da gibt es erst einmal den einfachen Grund, dass wir einen gut klingenden Namen brauchten. Das darf man nicht unterschätzen. Hauptsächlich geht es aber darum, dass sich Adorno als Musikkritiker und -schriftsteller sehr für zeitgenössischen Musik eingesetzt und mit der zweiten Wiener Schule auseinander gesetzt hat. Das ist ein Ansatz, den wir unterstützen, indem wir mindestens ein Werk aus dem 20. oder 21. Jahrhundert in unserem Programm haben.

 

Sie sind äußerst erfolgreich und vielfach mit Preisen und Sonderpreisen ausgezeichnet, zuletzt beim Melbourne Kammermusik-Wettbewerb. Wie wichtig sind solche Wettbewerbe für ein junges Ensemble wie Sie es sind?

Jeder Wettbewerb bringt uns instrumental und ensembletechnisch einen Riesenschritt nach vorne, weil man sich vorher intensiv hinsetzt und das Programm vorbereitet. Ein zweiter Punkt ist, dass solche Wettbewerbe auch von Veranstaltern und Organisatoren von Kammermusikreihen beobachtet werden und die Chance erhöhen, in diesem Kreis Aufmerksamkeit und neue Auftrittsmöglichkeiten zu bekommen. Natürlich wird aber auch die persönliche Eitelkeit bedient, wenn man Preisträger ist, die Mühe seiner Arbeit belohnt wird und vielleicht auch noch ein Preisgeld bekommt.

 

Was reizt Sie an der Kammermusik, dass Sie sie einer Karriere als Solomusiker vorziehen?

Ganz simpel gesagt reizt mich die Zusammenarbeit mit Kollegen. Ich habe vor vielen Jahren mal an ein, zwei Solo-Wettbewerben teilgenommen und habe dann im Ausland tagelang allein im Hotel herumgehangen. In der Kammermusik ist es sehr angenehm, dass man nicht allein reisen muss, die Organisation nicht allein machen muss, dass man ein künstlerisches Korrektiv hat und dass man mit seinen Freunden zusammen ist. Außerdem mag ich das Intime an der Kammermusik – dass man seine musikalische Persönlichkeit teilt und ausleben kann, ohne dass sie wie im Orchester untergeht. Allein durch die Programm- und Stückauswahl können wir unsere künstlerische Richtung selbst bestimmen und haben viel größere Freiheiten als im Orchester.

 

Sie haben sich 2003 im Rahmen des Wettbewerbs „Jugend musiziert“ gegründet. Hätten Sie damals gedacht, dass Sie nach zehn Jahren immer noch zusammen musizieren und welche Eigenschaften braucht ein Klaviertrio, um über diesen Zeitraum so erfolgreich miteinander zu arbeiten?

Dass es solange und so erfolgreich wird, habe ich damals nicht gedacht. Am Anfang war einfach die Lust am Musizieren ausschlaggebend und keine langfristigen Planungen. Wenn man solange zusammenspielt, muss man sich ungefähr gleich weiterentwickeln – sowohl in der Persönlichkeit als auch instrumental. Außerdem müssen alle die gleichen Ziele verfolgen und nicht plötzlich doch eine Solokarriere oder Orchestermitgliedschaft anstreben. Schließlich kommt noch der ganz praktische räumliche Aspekt dazu. Dadurch dass wir alle nach wie vor in Norddeutschland zuhause sind, klappt das ganz gut.

 

Die Presse lobt unter anderem Ihre dynamische Kraft, Detailgenauigkeit und Spielfreude. Was ist das Geheimnis Ihres Erfolgs und Ihr künstlerischer Ansatz?

Uns liegen zwei Sachen besonders am Herzen: die Homogenität und gleichzeitig die Verschiedenartigkeit des Klaviertrio-Klangs. Ein Streichensemble klingt immer sehr homogen; unser Ziel ist es, diesen homogenen Klang als Klaviertrio zu kopieren und zu einer Klangfarbe zu verschmelzen. Aber bei Bedarf wollen wir auch die Kontraste zwischen Klavier und Streichern darzustellen.

 

Sie treten genauso selbstverständlich in der Laeiszhalle auf wie in einer Schulaula. Wie wichtig ist der Kontakt zum Publikum, vor allem dem jungen Publikum?

Das ist für uns sehr wichtig, weil wir die Sorge haben, dass sich die Generation, die sich für Klassik interessiert, immer älter wird und kein junges Publikum nachwächst. Wir haben auch in Melbourne ein Schulprojekt in einer Grundschule durchgeführt. Wir finden, dass die Kunst für sich steht – egal wo sie aufgeführt wird.

 

Können Sie von der Musik mittlerweile leben oder wie bestreiten Sie Ihren Lebensunterhalt?

Es macht einen Großteil unseres Verdienstes aus, aber ganz von der Kammermusik können wir noch nicht leben. Das können wahrscheinlich nur wenige Ensembles in Deutschland und bleibt ein Traum. Daher ergänzen wir unser Einkommen durch Orchesterprojekte oder durch Unterrichten.

 

Sie haben im letzten Jahr Ihr zehnjähriges Jubiläum gefeiert. Wo sehen Sie sich in den nächsten zehn Jahren?

Natürlich wollen wir den Status Quo ausbauen. Da wir gerade in Melbourne in dieser riesigen und beeindruckenden Rezitalhalle gespielt haben, sind Konzerte im Ausland immer sehr reizvoll. Wenn sich das in den nächsten zehn Jahren verdreifachen könnte, wäre das fantastisch. Diese Reisen sind immer ganz besondere Momente.

 

Wie sind Sie selbst zum Klavierspielen gekommen?

Zum Klavierspielen bin ich zunächst übers Cello gekommen. Das lag damals unterm Weihnachtsbaum, ich war aber nicht besonders begabt. Als es mal kaputt war, hat mein Cello-Lehrer mir Klavierunterricht gegeben und das hat mir viel besser gefallen. Ich habe mich dann aufs Klavierspielen konzentriert und wenn man erst einmal in der „Jugend musiziert“-Szene ist, dann geht alles ganz schnell und man will sein Hobby zum Beruf machen.

Termine:

  • 9. September: Live Music Now Hamburg e. V.
  • 13. September: Bernstorff-Gymnasium Satrup
  • 18. September: Kultur- und Bürgerhaus Marne
  • 7. November: Festival Häuser der Stadt, Hamburg
  • 14. November. Laeiszhalle Hamburg