Eine neue Fährlinie verbindet ab sofort Brunsbüttel mit Cuxhaven

In rund 90 Minuten von Brunsbüttel nach Cuxhaven: Die beiden Fährschiffe „Grete“ und „Anne-Marie“ machen es ab sofort möglich. Am Donnerstag, den 20. August 2015 hat die Reederei Elb-Link, Tochter der estnischen Reederei Saaremaa Ferrys, den neuen Fährbetrieb aufgenommen, der die beiden Städte täglich – zunächst im zwei Stunden-Takt – verbindet. Nach 14 Jahren Pause ist damit für Dithmarscher und Urlauber ein weiteres Tagesziel für Radtouren, Besichtigungen und Shoppingausflüge wieder bequem per Schiff über die Elbe zu erreichen. In vier Wochen sollen die Schiffe im 90-Minuten-Abstand ablegen, irgendwann mal, wenn die Nachfrage stimmt und ein drittes Schwesterschiff in Dienst geht, sogar jede Stunde. „Wir wollen Geld verdienen“, sagt Reeder Vjatseslav Leedo, der mit großem Tross einschließlich einer Folklore-Tanzgruppe aus seiner Heimat Estland zur feierlichen Wiedereröffnung der Fährverbindung angereist ist, selbstbewusst.

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminster Reinhard Meyer und sein niedersächsischer Amtskollege Olaf Lies (beide SPD) ließen es sich nicht nehmen, eine der modernen Doppelendfähren bereits am Mittwoch mit zahlreichen geladenen Gästen, die am Anleger estnische und deutsche Fahnen zur Begrüßung schwenkten, zu testen. Die Minister überschlagen sich vor Lob. „Ein tolles Signal“, sagte Lies am Mittag in Brunsbüttel, „ein Projekt für die ganze Region, für den ganzen Norden“. Von einem „großen Gewinn für den Norden“ spricht auch Meyer. „Die neue Fährverbindung sorgt dafür, dass die beiden Seiten der Elbe weiter zusammenwachsen. Angesichts der verkehrstechnischen Herausforderungen, die die umfangreichen Ausbaumaßnahmen der A 7 verursachen, kommt der neuen Fährlinie eine ganz besondere Bedeutung zu.“ Beide Politiker hoffen, dass Pendler, Touristen und Unternehmer das Angebot kräftig nutzen werden. Zwei Gutachten, die im Vorfeld erstellt wurden, machen Hoffnung. Zudem werden 45 neue Arbeitsplätze geschaffen. Trotz aller Euphorie soll an der geplanten Küstenautobahn festgehalten werden „Wir werden intensiv daran arbeiten, dass der Ausbau der A 20 vorankommt“, sagte Meyer. „Dieses Signal wollen wir heute geben.“ Laut Lies stünden die Spaten für den Tunnelbau auf beiden Seiten der Elbe bereit.

 

Mit einer Schiffstaufe war die neue Fährverbindung an der Unterelbe eingeläutet worden. Maja Martens (26), Mitarbeiterin der „Stiftung Mensch“, taufte die ehemalige „Saaremaa“ in Brunsbüttel auf den Namen „Anne-Marie“ und wünschte dem Schiff „allzeit gute Fahrt und stets eine Handbreit Wasser unterm Kiel“. Auf der anderen Elbseite wurde das Schwesterschiff von Daniela Behrens, Staatssekretärin im niedersächsischen Wirtschaftsministerium, auf den Namen „Grete“ umgetauft. Mit der „Anne-Marie“ gelangte auch Brunsbüttels Bürgermeister Stefan Mohrdieck nach Cuxhaven, der gemeinsam mit seinem Amtskollegen, Oberbürgermeister Dr. Ulrich Getsch, ein symbolisches Band durchschnitt und damit die Fährverbindung offiziell eröffnete.

Neben der effektiven Verbindung der beiden Bundesländer, die auch den Autotransport einschließt, soll die Fährüberfahrt auch Seereisegefühl vermitteln. Die beiden vier Jahre alten Fähren verfügen über große Außendecks mit ausreichend Platz um Seeluft zu schnuppern. Zudem stehen an Bord ein Self-Service-Restaurant, eine Kaffeelounge sowie ein Bordshop mit einer Kapazität für bis zu 600 Passagiere zur Verfügung. Die Freundinnen Karin Hering aus Frestedt und Gunda Freihöfer aus Brunsbüttel waren als zwei der ersten Gäste mit an Bord und sind begeistert. „Ein tolles Erlebnis“ so die Rentnerin, die vor kurzem aus Ostfriesland nach Dithmarschen gezogen ist und nun „ohne den Umweg über Hamburg“ ihre Familie in Norden besuchen kann. Gunda Freihöfer freut sich schon auf zahlreiche Tagestouren mit dem E-Bike, um in Cuxhaven bummeln zu gehen.

Elb-Link bietet mit den beiden Doppelendfähren „Grete“ und „Anne-Marie“ jeweils von beiden Seiten der Elbe täglich zunächst bis zu zehn Abfahrten an. Um den Fahrgästen lange Wartezeiten zu ersparen, können die Fahrten direkt über die Internetseite www.elb-link.de gebucht werden. Für Kurzentschlossene gibt es die Fahrkarten an den Ticketschaltern in Brunsbüttel. Die einfache Überfahrt für Erwachsene kosten 9 Euro (Hin- und Rückfahrt 9 Euro), PKW inkl. Fahrer zahlen 25 Euro bzw. 23 Euro bei Online-Buchung (Hin- und Rückfahrt: 48/44 Euro). Für Fahrräder kommen drei Euro Aufschlag hinzu.
Die beiden Fähren wurden 2010 bzw. 2011 auf der Fiskerstrandwerft in Norwegen gebaut und verfügen über die höchste Eisklasse. Die 98 Meter langen und 18,50 Meter breiten Schiffe bieten auf ihren Autodecks Platz für 150 Personenwagen oder alternativ für 55 Pkw und 16 Lkw. Bis vor kurzem verbanden sie das estnische Festland mit der Ostseeinsel Saaremaa.

 

• Infos und Buchung der Elb-Link Fähre zwischen Cuxhaven und Brunsbüttel