Die legendären Swingle Singers gastieren beim SHMF in Lübeck und Hamburg und bieten ein faszinierendes Klangerlebnis.

In den 1960er waren sie eine Sensation: eine junge Gruppe von Jazzvokalisten aus Paris, die Musik von Johann Sebastian Bach mit Silben des sogenannten Scat-Gesanges präsentierten. Ihre erste Platte („Bach’s Greatest Hits“) wurde auf Anhieb ein Erfolg und mit zwei Grammys belohnt. Seitdem kennt die ganze Welt die leichte, schnelle und präzise Intonation und Stimmführung der Swingle Singers. Die Besetzung des Ensembles hat im Laufe der Zeit zwar gewechselt, doch geblieben sind die atemberaubende Vokaltechnik und die makellose Homogenität, mit denen die sieben jungen Gesangsakrobaten genauso beeindrucken wie mit ihrem Charme und ihrer Bühnenpräsenz. Andreas Guballa hat mit dem Tenor Oliver Griffiths gesprochen.

Wie ist das Ensemble entstanden und wie hat es sich weiterentwickelt?

Gegründet wurde das Ensemble 1961 in Paris von Ward Swingle zusammen mit anderen Studiosängern, die gelangweilt waren vom Einerlei des Background-Gesangs bei Bühnenstars wie Edith Piaf und Charles Aznavour. Zusammen entstand die Idee, Instrumentalstücke wie „Das wohltemperierte Klavier“ a cappella zu präsentieren und mit Silben des sogenannten Scat-Gesanges zu unterlegen. Der Versuch gelang und zusammen mit Philipps wurde die Platte „Bach\\\’s Greatest Hits“ produziert, die die Top 10 stürmte und zwei Grammys gewann. Zehn Jahre lang arbeitete die Gruppe in Frankreich mit der Bearbeitung weiterer Komponisten wie Mozart und Telemann, bevor Ward Swingle 1973 in London eine englische Nachfolgergruppe gründete. Das Repertoire wurde um Pop und Jazz erweitert sowie um zeitgenössische Musik. Die Besetzung hat anschließend immer wieder gewechselt und heute sind wir ein sehr junges Ensemble mit einer eigenen Auffassung, das Repertoire zu interpretieren. Wir versuchen nach wie vor über die Grenzen dessen hinauszugehen, was mit der Stimme möglich ist. Die Grundidee und der Stil haben sich nicht geändert und daher ist der Klang der Gruppe noch immer unser Markenzeichen, auch wenn wir uns anders anhören als vor 50 Jahren. Wir haben immer noch Teile des alten Repertoires im Programm wie eine Bach-Fuge oder Debussy, aber gleichzeitig gibt es Live-Looping und Musik von heute.

 

Sie sind seit fünf Jahren Teil der Gruppe. Wie ist es, ein Swingle zu sein?

Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen. Wir tun, was wir lieben, touren in der Weltgeschichte herum und kreieren jede Tag etwas, auf das wir stolz sind.
Die Swingle Singers haben im Laufe der Jahre bereits auf vielen Bühnen in aller Welt gesungen. Was war Ihr persönliches Highlight?

Wir haben so unterschiedliche Auftrittsorte, dass es schwer ist, sich für einen zu entscheiden. Natürlich ist ein Auftritt in der Mailänder Scala für jeden Musiker ein ganz besonderes Erlebnis, da die Bühne so geschichtsträchtig ist und die Akustik sowie die Atmosphäre einzigartig sind. Gern erinnere ich mich auch an unseren Auftritt in einem Basketballstadium in der Türkei vor 11.000 Zuschauern – unterstützt von einem Sinfonieorchester. Aber eines meiner eindrücklichsten Erlebnisse war der Auftritt in einem kleinen New Yorker Keller mit 80 Zuhörer. Die Energie in diesem Raum war einfach elektrisierend.

Neben Klassik und Jazz umfasst Ihr Repertoire auch Folksongs aus aller Welt, Piazolla-Tangos und Gregorianik. Gibt es etwas, was Sie gern noch singen würden?

Wir mischen und interpretieren ja gern Musik mit unterschiedlichen Stilmitteln. Daher sind die Möglichkeiten unbegrenzt. Die Voraussetzung ist lediglich, dass es gutgeschriebene Musik ist. Es gibt noch viele Komponisten und Musiker, mit denen wir zusammenarbeiten möchten. Aber was ich zur Zeit besonders aufregend finde ist, dass wir momentan verstärkt unsere eigene Musik schreiben und singen. Mit unserer aktuellen CD „Deep End“ wollen wir musikalisch ein neues Kapitel aufschlagen und sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft blicken.

 

Die Gruppe ist bekannt für ihren harmonische Gesang. Geht es hinter den Kulissen auch immer so harmonisch zu wie auf der Bühne?

Wir verbringen zirka sechs Monate zusammen auf Tournee; da gibt es natürlich nicht immer eitel Sonnenschein. Aber wir verstehen uns sehr gut und haben sehr großen Respekt voreinander als Person und Musiker. Dann darf man auch mal eine Auseinandersetzung haben.

 

Was erwartet das Publikum bei Ihren Konzerten im Rahmen des SHMF?

Wir nehmen das Publikum mit auf einer Reise durch die 50jährige Geschichte des Ensembles und durch die musikalischen Jahrhunderte. Natürlich gibt es einige Glanznummern wie die Bach-Fugen, mit der die Swingle Singers berühmt wurden. Aber wir präsentieren auch Eigenkompositionen aus unserem neuen Album, das gerade erschienen ist. Diese Stücke sind maßgeschneidert für das Ensemble und machen daher besonders viel Spaß, der sich auch aufs Publikum übertragen wird. Wir arbeiten dabei mit Live-Looping und können dadurch einen sehr dichten Sound und ein faszinierendes Klangerlebnis erzeugen – als ob ein ganzes Orchester auf der Bühne spielen würde.

Swingle Singers - Foto Nedim_Nazerali

Swingle Singers – Foto Nedim Nazerali

Termine

  • Di 28.07.2015 | 20:00 Uhr | Musik- und Kongresshalle Lübeck
  • Mi 29.07.2015 | 20:00 Uhr | Laeiszhalle Hamburg