Die lebendige Kulturmetropole an Schwedens Westküste verspricht abwechslungsreiche Eindrücke zwischen Sightseeing, Café und Shopping.

Auch wenn man Göteborg an einem Tag natürlich nicht komplett kennenlernen kann, so reichen ein paar Stunden doch, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen und in den schwedischen Lebensstil einzutauchen. Die Vielseitigkeit der knapp eine halbe Million Einwohner zählenden Metropole überrascht immer wieder aufs Neue. Denn als Ankunftshafen für viele Schwedentouristen ist die 1621 gegründete Seehandelsstadt mehr als bloß ein Etappenziel.

Maritim und weltoffen gibt sich die Stadt, in der von Mai bis Oktober die Straßencafés an der „Aveny“ oder im ehemaliger Arbeiterviertel Haga immer gut besucht sind. Gustav II. Adolf holte Anfang des 17. Jahrhunderts Holländer ins Land, die im Mündungsgebiet des Göta älv ein System von Kanälen anlegten, die noch heute das Stadtbild prägen. Bei einer knapp einstündigen Rundfahrt auf dem Wasser kann man sich schnell einen Überblick über die zweitgrößte Stadt des Landes in einem der flachen Paddan-Boote verschaffen. Nach vielen Krisen und Werftpleiten in den 70er-Jahren hat sich Göteborg in den letzten zehn Jahren vom einstigen Industrie- und Handelszentrum zur modernen Kultur- und Veranstaltungsmetropole mit Oper, Konzerthaus, Universität und großen Sportanlagen gewandelt. Mit rund einer halben Million Einwohnern hat sich die einst als befestigter Außenposten gegründete Stadt trotz aller Geschäftigkeit ihren Charme bewahrt.

Eriksberg, der aufstrebende Stadtteil in Göteborg

Eriksberg, der aufstrebende Stadtteil in Göteborg

Wer in Göteborg auf der Suche nach Stille ist, wird sie vor allem jetzt in den Sommermonaten nur schwerlich finden. Musiker und Künstler unterschiedlichster Genres prägen dann die Klangkulisse einer Stadt, in deren Hinterzimmern den kalten Winter über emsig geplant, gemalt und komponiert wurde. Die Ergebnisse werden im Sommer in Form von Festivals, Ausstellungen, Straßenfesten, Dachterrassen-Konzerten oder Bootpartys für alle sichtbar dargeboten.

Ein Wahrzeichen Göteborgs ist die Feskekörka (Fischkirche). Das Gebäude erinnert zwar an ein Gotteshaus, aber hier wird nicht gebetet, sondern seit der Eröffnung 1874 gehandelt – und zwar mit Fisch. Sie ist ein Mekka für Meeresfrüchte. Viele Göteborger kaufen hier für ihr Abendessen mit der ganzen Familie ein. Im Restaurant Gabriel Fisk- och Skaldjursbar gibt es Austern, Fischsuppe, Krebse oder dick belegte Krabbenbrote direkt vor Ort zum Probieren.

Auf der anderen Seite des Rosenlundskanals liegt Haga. Das frühere Arbeiterviertel hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte zu einem Trend-Stadtteil entwickelt. In den pittoresken Holzhäusern des Viertels wohnten einst die ärmsten Bewohner der Stadt. Heute beherbergen diese Häuser schicke Läden für Modebewusste, in denen die Einheimischen gerne nach Modeartikeln stöbern und sich dann mit Freunden zur „Fika“ (Kaffeepause) in einem der zahlreichen Cafés treffen. Zum Beispiel im Café Husaren, das einst als Apotheke, Hutgeschäft und Bank diente. Heute genießt man hier leckere Zimtschnecken, auf schwedisch: kanelbullar.

Die Kaffeepause ist in Schweden eine eifrig gepflegte Tradition. Eine Fika kann drei Stunden dauern. Man plaudert übers Leben, bestellt noch mehr Kaffee, bleibt einfach sitzen und redet. Hauptsache es bleibt noch genug Zeit zum Einkaufen. Dazu gibt es in Göteborg jede Menge Gelegenheiten. Wer in den zahlreichen Antiquitäten-, Mode- und Designer-Läden im Haga nicht fündig wird, findet ein breites Angebot an Boutiquen, Arkaden und Geschäften für Mode, Design, Geschenke und Einrichtung rund um Göteborgs Prachtboulevard, die Kungsportsavenyn. Oder in der Kungsgatan, Vallgatan und Magasingatan sowie im noblen Kaufhaus NK und Göteborgs größtem Einkaufszentrum Nordstan.

eine kanelbulle, also Zimtschnecke, gehört zur Fika in Göteborg dazu

Eine kanelbulle, also Zimtschnecke, gehört zur Fika in Göteborg dazu

Von hier ist es nicht weit zum ursprünglichen Hafen der Stadt, dem Lilla Bommen, auf deutsch: kleiner Schlagbaum. Hier liegen Segelboote, historische Schiffe und die riesigen Skandinavienfähren, die Göteborg mit dem Ausland verbinden. Weithin sichtbar ragt ein markant rot-weißer Bau in den Himmel über den Fluss, der Skanskaskrapan. Oder der „Läppstiftet“ („Lippenstift“), wie der Volksmund den Wolkenkratzer taufte – mit Panoramablick über die Stadt. Gegenüber das Opernhaus von 1994, das mit der markanten Fassade an die Schiffbautradition erinnert.

lippenstift

Markantes Wahrzeichen von Göteborg, der Lippenstift

Wer noch Zeit hat, nimmt die Älvsnabben-Fähre nach Eriksberg. Auf dem ehemaligen Werftgelände ist in den letzten Jahren ein neuer Stadtteil entstanden, eine Art „Hafencity“ Göteborgs. Hier findet man einige spannende Beispiele schwedischer Gegenwarts-Architektur mit vielen Fenstern, großer Deckenhöhe und offener Raumaufteilung.

Familien mit Kindern planen stattdessen einen Besuch des Vergnügungsparks Liseberg ein, der mit seinen 30 Fahrgeschäften für mitteleuropäische Verhältnisse zwar übersichtlich scheint, jedoch der Größte seiner Art in Skandinavien ist.

Kulturinteressierte kehren noch einmal zurück zur Avenyn. Ganz an deren Ende liegt der Götaplatsen, einer der bedeutendsten Plätze Göteborgs mit dem Stadttheater, der Kunsthalle, dem Hasselblad Center und dem Konzerthaus, Heimat der Göteborger Symphoniker. Von hier machen die Besucher es dem Wassergott Poseidon gleich und werfen zum Abschluss eines erlebnisreichen Tages vom obersten Punkt der Prachtstraße noch einmal einen Blick zurück auf die Stadt.

Essen & Trinken:

Café Husaren
Haga Nygata 24, Tel. 0046/31/13 61 78
Dieses gemütliche Studentencafé im pittoresken Stadtteil Haga ist für seine riesigen süßen Hefeschnecken mit Zimt bekannt.

Fisk & Skaldjursbar Gabriel
Feskekörka, Rosenlundsgatan, Tel. 0046/31/13 90 51
Restaurant und Café in der Fischkirche. Es gibt Austern, Fischsuppe, Flunder, Krebse oder dick belegte Krabbenbrote.

Smaka
Vasaplatsen 3, Tel. 0046/31/13 22 47, Fax 711 12 79,
Hier gibt’s beste schwedische Hausmannskost, auch die berühmten Köttbullar (Fleischbällchen).

Saluhallen

Markthalle mit Lebensmitteln aus aller Welt in über 40 Geschäften. Mehrere Restaurants, wo man gut zu Mittag oder Abend isst. Das Gebäude ist von 1889. Öffnungszeiten der Markthalle: Montag-Freitag 9.00-18.00 Uhr, Samstag 9.00-14.00 Uhr (im Winter bis 15.00 Uhr).

Anreise

Stena Line fährt täglich über Nacht von Kiel nach Göteborg. Auto inkl. Fahrer ab 66 Euro. Mini-Trip mit zwei Übernachtungen an Bord ab 69 Euro p.P.

Der Göteborg-Pass. Preis 24 Stunden: Erwachsene 365 SEK und Kinder 245 SEK (bis 17 Jahre. Kinder unter 5 Jahren benötigen keinen Pass.) Preis 48 Stunden: Erwachsene 515 SEK und Kinder 345 SEK. Den Göteborg-Pass kann man auch übers Handy erwerben, oder online unter www.goteborg.com.